Realschulbäume: 10 überleben!

„Musterschüler“: das sind die schönsten und leistungsfähigsten Bäume auf dem Gelände der Realschule Geisenfeld, die zum Großteil abgerissen und neu gebaut werden soll.  Im Dezember 2021 ließ der Stadtrat eine Totalrodung aller 31 Bäume zu – trotz Appellen und wohlbegründeten Erhaltungsvorschlägen. Die aktive Be-Wert-ung „Bestandsbaum entspricht drei Neupflanzungen“ durch die Bunte Liste, namentlich Landrat Albert Gürtner und Kreisrat Markus Käser, führte schließlich zu einem Budget von € 3.600,- pro Bestandsbaum. Diese Aufwertung und der öffentliche Widerstand gegen eine Rodung sorgten dafür, dass Stadt und Landkreis im Juni 2022 beschlossen: Drei Prachtbäume der Nordwestecke bleiben vor Ort erhalten, sieben grüne Riesen werden verpflanzt und können an anderer Stelle der Stadt weiterleben. Damit sind gleich zwei Premieren zu feiern – die politische Lösung der Baum-be-Wert-ung (neu für den bebauten Raum) und die anstehenden ersten Großbaumverpflanzungen in Geisenfeld. Danke an alle, die unterstützt haben!

Schacht-Ost: Verkehrsicherung im Konsens

Ein Jahr nach ersten Anliegerbegehungen wurde es konkret mit der Herstellung der Verkehrssicherungspflicht auf der Ostseite des Naturschutzgebietes Oberstimmer Schacht entlang ICE-Gleis. Ein neuer Mitarbeiter von der Unteren Naturschutzbehörde hatte es geschafft, Beteiligte und Betroffene ins Boot zu holen: Von der Deutschen Bahn über das lokale AELF bis hin zu den Anliegern konnten sich alle am Ende einverstanden erklären mit den markierten Rodungs- bzw. Torsokandidaten. Ich hatte sie alle einzeln baumfachlich kontrolliert und gegenüber den interessierten Oberstimmern vermittelt. Im Bild mit mir Johann Schwemmer (Mitte) und Hans Dittrich (rechts), Foto: Peter Bernhart. Unsere Gruppe bestand an diesem Tag aus sechs Personen. Nun sind zwar 96 Bäume deutlich mehr als die einst angekündigten „wenigen Gefahrenbäume“, aber nach der üblen Erfahrung mit flächigem Kahlschlag auf der Westseite im Januar 2020 war dies trotzdem ein sehr erfreulicher Fortschritt. Ein Hoch auf die frühzeitige offene Kommunikation bei Planungen und auf eine naturschutzverträgliche Herstellung der Verkehrssicherheit!

Teufelswerk? Rodung eines Kirchgartens für Parkplätze

Über fünf Monate hinweg himmlisch-konstruktive Gespräche mit dem Kirchenarchitekten –  und dann wurden eben doch 4 von 8 Großbäumen gefällt, darunter ein dreistämmiger, dunkellaubiger Ahorn-Exot und ein Eschenahorn, leistungsfähige Schatten- und Sauerstoffspender mitten in Pfaffenhofens Kernstadt. Statt der 10 gesetzlich vorgeschriebenen Parkplätze realisierte die Kirche 16. Ist das Roden von Stadtbäumen für die autogerechte Welt noch zeitgemäß? Wie so oft kam ich zu spät ins Spiel und aufs Grundstück nicht drauf. Ein nachweislich fehlerhaft erfasster Bestand und die Genehmigung seitens Bauamt mit den üblichen, eben nicht kompensierenden Nachpflanzverpflichtungen waren schon durchgewunken. Geradezu teuflisch-brutal verlief die Beseitigung der Bäume per Abrissbagger (https://youtu.be/ucKn5jaVK2o ), was jedoch der kirchliche Auftraggeber nicht wissen konnte. Ein beherzter Anlieger filmte das unselige Ende. Als der einzige überlebende Laubbaum anschließend täglich tiefer unter einem Schuttberg begraben wurde, eilten in letzter Minute Engel von der Unteren Naturschutzbehörde zu Hilfe und verschafften ihm wieder Luft, dies dann sogar mit dem ausdrücklichen Segen der Kirche. Mein Fazit: Lieber Gott, erspare uns solche Einzelbaumaktionen – schenke uns eine Baumschutzverordnung!

Biberzäune: Artikel in Baumzeitung + Montage-Anleitung

2017 zeigten sich an Flüssen und Weihern der Holledau zahlreiche Biberverbisse an Uferbäumen. 2018 sondierte ich Möglichkeiten des Baumschutzes und fand Unterstützung beim Biberberater des Landratsamts Pfaffenhofen (Ilm) und beim Bürgermeister meiner Heimatstadt Geisenfeld. Über Kontakte innerhalb des Bund Naturschutz und die Zeitung kamen Gleichgesinnte zusammen; gemeinsam mit Mitarbeitern des städtischen Bauhofes wurden erste Drahthosen um die Bäume gewickelt. Mit jeder Aktion wuchs der Erfahrungsschatz und eine Fotodokumentation über Organisation und Anbringung der Schutzinstallationen entstand. Im August 2021 erschien nun ein Artikel darüber in der Baumzeitung. In diesem Rahmen habe ich eine frühere Montageanleitung für Biberzäune aktualisiert und auf nunmehr 20 Seiten erweitert. Hier können Sie einen Blick in das Inhaltsverzeichnis werfen.

Die reich bebilderte, unterhaltsam verfasste Anleitung ist als pdf-Anhang per E-Mail erhältlich. Bei Interesse überweisen Sie bitte einen Fairnessbeitrag an das paypal Konto ann.hartmann(at) online.de (bitte Gebühren mitbedenken, wenn Sie mir € 10,- zuwenden, zahle ich dafür € 0,60; von Ihren € 20,- sind es € 0,85). Oder Sie überweisen per Direkteinzahlung, die Kontoverbindung erhalten Sie gern auf Nachfrage. Die Anleitung ist für alle, die den Bäumen helfen möchten, ohne den Bibern zu schaden. Eine Beratung und/ oder Einarbeitung vor Ort für Kommunen oder Ehrenamtliche leiste ich gern, einfach anfragen.

Schwarzpappel-Holzkeil ins Landratsamt gebracht

Nachdem vom Landratsamt über drei Monate hinweg niemand den liegenden Baum näher untersuchte, holte ich dies nach. Schließlich hatte man nach der Fällung die „kranke Stelle“ als Foto-Beweis in die Zeitung gebracht. Nun galt es, am liegenden Baum diese Stelle zu finden und zu öffnen. Befund: Anstelle einer Fäulnis oder Teile eines Risses handelte es sich lediglich um eine kleine Höhlung, die durch einen eingewachsenen Ast entstanden war. Festes Holz außenherum, alles gesund und weit entfernt von statischen Risiken. Vier fachliche Stellungnahmen von Baumprofis und einem Biologen wurden im Rahmen einer Foto-Dokumentation schriftlich beim Landrat vorgelegt, um zu zeigen, dass die Schwarzpappel gesund und ihre Fällung ein Fehler war – um eine Vorbeugung solcher Fehlentscheidungen für die Zukunft zu erreichen. Ihre ehrenamtliche Expertise hatten dankenswerterweise eingebracht: Angela Burkhardt-Keller (München), Edgar Wenisch (Konnersreuth), Christopher Busch (Buttenheim) und Dieter Jungwirth (Ingolstadt). Rudi Engelhards Versuch, dem DB Streckenbetreuer die Aussage von „akutem Handlungsbedarf“ unterzuschieben, flog durch meine offene Nachfrage auf – der Mann dementierte. Trotz allem sah Landrat Albert Gürtner bislang keinen Anlass zur Kurskorrektur.

Gesunder Rote-Liste-Baumriese gefällt

Mit einem Umfang über fünf Meter und einer Höhe von über 30 Metern war die mächtige Schwarzpappel optisch ein Fels in der Brandung – viele tierische Bewohner der Oberstimmer Schacht, die auf diesen Baumes angewiesen waren, hätten ihn ähnlich beschrieben. Fällungsgrund war wie so oft die gefährdete Verkehrssicherheit am Gleis. Tatsächlich passte der Abstand zwischen Baumkrone und Oberleitung nicht mehr, worauf ich selber mehrfach hingewiesen hatte – um eine Untersuchung auf Sturz- und Bruchsicherheit und einen angemessenen Kronenrückschnitt zu erreichen. Stattdessen wurde der seit 29.09.20 als seltene Schwarzpappel bewiesene Baum (Rote Liste Klasse 2, „stark gefährdet“) nur oberflächlich untersucht, vom verantwortlichen Rudi Engelhard als problematisch abgetan und allen vorangegangenen Erhaltungsappellen zum Trotz gefällt. Die zugehörige ausführlichere Presseinfo finden Sie auf der Presseseite. Anlieger Johann Schwemmer hatte die Fällung gemeldet.

Schacht-Ost: Auf der Suche nach Gefahrenbäumen

Nach den ernüchternden Erfahrungen mit dem Kahlschlag auf der westlichen Seite des Gleises, wo mitten im Naturschutzgebiet auf einem bis zu 23m breiten Streifen der Wald komplett gerodet wurde, obwohl die Bahn nur einen Bruchteil davon als Sicherheitsabstand fordert, fand am 12.11.2020 auf der Ostseite eine Begehung von Anliegern statt, die ich begleitete. Wir fanden an der Strecke bereits markierte und fachlich nachvollziehbare Fällungskandidaten vor aus der Zeit vor 2018, als der Grund noch im Besitz der Deutschen Bahn war. Außerdem fiel mir eine – überschaubare – Zahl von Bäumen auf, die aktuell kontrolliert und gegebenenfalls im Rahmen der Verkehrssicherheitspflicht schonend entfernt werden müßten.

Erfolg: Großflächige Fällung verhindert!

Neun Monate ehrenamtlicher Arbeit haben sich gelohnt: Die Oberstimmer Schacht wird kein zweites Mal von Kahlschlag heimgesucht, es wird keine bis zu 20m breiten baumlosen Korridore zwischen den Offenlandflächen geben. Sie hätten Hunderten von Bäumen aller Arten und Altersklassen das Leben gekostet. Am Gleis entlang und für Zugang an den Tümpeln werden noch einzelne Bäume gefällt, aber wenigstens mit der Motorsäge und nicht mehr per Harvester. Diese Details teilte Landrat Albert Gürtner (FW) am 20.10.2020 telefonisch mit und konkretisierte damit seine Schlussworte bei der Dialogveranstaltung Ende September. Er setzte seine Entscheidung gegen den Willen von Höherer und Unterer Naturschutzbehörde durch. Zum Beschluss wird es seitens Landratsamt keine Presseinformation geben, Gürtner verweist auf die Berichterstattung zur Veranstaltung.

Dialogveranstaltung zur Oberstimmer Schacht

Obwohl die Organisatoren einen dialogischen Rahmen schufen, einen externen Moderator buchten und wegen Corona-Auflagen große Mühen für eine Großveranstaltung in der Mehrzweckhalle Manching auf sich genommen hatten, geriet der Abend mehr zu einem Neben- statt Miteinander. Im Anschluss an eine ausgiebige Präsentation der Höheren Naturschutzbehörde mit Planungsstand 2018 (die UNB schwieg konsequent den ganzen Abend), folgten vier 3-Minuten-Statements aller Lager und danach kam das Publikum zu Worte. Nur im Ausnahmefall war eine Bezugnahme auf Wortmeldungen möglich. Weder reagierte man aufseiten der Behörden auf unsere extra im Vorfeld nochmal zugestellte Stellungnahme mit den zentralen Argumenten der Interessensgruppe, noch auf die am Abend vorgetragenen Neuigkeiten (u.a. per Gen-Analyse bestätigte Schwarzpappel-Vorkommen), noch gab es Raum für die 34 Vorschläge der Online-Konsensierung (https://www.acceptify.at/schacht, online bis Ende Februar 2021). Einzig Landrat Albert Gürtner interessierte sich dafür und schloss in seinem Schlusswort großflächige Fällungen für die Zukunft aus.   

Gentest zeigt: Baumriese ist eine seltene Schwarzpappel

Sie überlebte die flächige Rodung vom Januar 2020 nur aufgrund ihrer gigantischen Ausmaße, die weder vom Harvester noch von einer Motorsäge ohne weiteres zu beseitigen waren: Eine Pappel in der Oberstimmer Schacht West, die 10m neben dem Gleis steht. Von den Offenlandbefürwortern als wertlose Hybridpappel verspottet, sah sich die Interessensgruppe Zukunft Oberstimmer Schacht dazu veranlasst, den besonderen Baumriesen genetisch testen zu lassen, auf eigene Kosten versteht sich. Das Foto zeigt uns bei der vorsichtigen Entnahme der Zweige. Und siehe da: Gerade noch rechtzeitig zur Dialogveranstaltung kam die Bestätigung vom Labor, dass es sich tatsächlich um eine seltene Schwarzpappel handelt. Die Art steht auf der Roten-Liste Bayern als Stufe 2 „stark gefährdet“. Wir freuen uns über unsere frisch entdeckte Kostbarkeit!