Erfolg: Großfläche Fällung verhindert!

Neun Monate ehrenamtlicher Arbeit haben sich gelohnt: Die Oberstimmer Schacht wird kein zweites Mal von Kahlschlag heimgesucht, es wird keine bis zu 20m breiten baumlosen Korridore zwischen den Offenlandflächen geben. Sie hätten Hunderten von Bäumen aller Arten und Altersklassen das Leben gekostet. Am Gleis entlang und für Zugang an den Tümpeln werden noch einzelne Bäume gefällt, aber wenigstens mit der Motorsäge und nicht mehr per Harvester. Diese Details teilte Landrat Albert Gürtner (FW) am 20.10.2020 telefonisch mit und konkretisierte damit seine Schlussworte bei der Dialogveranstaltung Ende September. Er setzte seine Entscheidung gegen den Willen von Höherer und Unterer Naturschutzbehörde durch. Zum Beschluss wird es seitens Landratsamt keine Presseinformation geben, Gürtner verweist auf die Berichterstattung zur Veranstaltung.

Dialogveranstaltung zur Oberstimmer Schacht

Obwohl die Organisatoren einen dialogischen Rahmen schufen, einen externen Moderator buchten und wegen Corona-Auflagen große Mühen für eine Großveranstaltung in der Mehrzweckhalle Manching auf sich genommen hatten, geriet der Abend mehr zu einem Neben- statt Miteinander. Im Anschluss an eine ausgiebige Präsentation der Höheren Naturschutzbehörde mit Planungsstand 2018 (die UNB schwieg konsequent den ganzen Abend), folgten vier 3-Minuten-Statements aller Lager und danach kam das Publikum zu Worte. Nur im Ausnahmefall war eine Bezugnahme auf Wortmeldungen möglich. Weder reagierte man aufseiten der Behörden auf unsere extra im Vorfeld nochmal zugestellte Stellungnahme mit den zentralen Argumenten der Interessensgruppe, noch auf die am Abend vorgetragenen Neuigkeiten (u.a. per Gen-Analyse bestätigte Schwarzpappel-Vorkommen), noch gab es Raum für die 34 Vorschläge der Online-Konsensierung (https://www.acceptify.at/schacht, online bis Ende Februar 2021). Einzig Landrat Albert Gürtner interessierte sich dafür und schloss in seinem Schlusswort großflächige Fällungen für die Zukunft aus.   

Online-Konsensierung gestartet: Wald und Wiese unter einen Hut bringen

Als sich nach der Sommerpause herausstellt, dass die Interessensgruppe mit ihren Argumenten immer noch kein Gehör zur Oberstimmer Schacht fand, richte ich kurzfristig eine Online-Konsensierung ein, damit alle Lager zusammen zur Veranstaltung am 29.09. sogar konkrete Vorschläge vorliegen haben, um Wald und Wiese unter einen Hut zu bringen. Mit mir zusammen moderiert über 10 Tage hinweg BN-Kreisvorsitzende Christine Janicher-Buska. Durch eine verzögerte Veröffentlichung und dann auch noch einen Druckfehler in der Zeitung beteiligen sich nur jene Aktiven, die vorher schon dabei waren, immerhin aber auch einige Offenlandbefürworter. Insgesamt werden 34 konkrete Vorschläge erstellt und bewertet. Die Konsensierung ist noch bis Ende Februar 2021 online zu sehen unter diesem Link: https://www.acceptify.at/schacht

Frisch geprüft auf Reisen in Deutsche Nationalparks

Nach erfolgreichem Abschluss meiner – als Quereinsteigerin mehrjährigen – Ausbildung darf ich mich ab 26.06.2020 „Baumkontrolleurin mit FLL-Zertifikat“ nennen. Gleich nach der Prüfung geht´s in den Urlaub und zwar bereisen mein Mann und ich acht Deutsche Nationalparks zwischen Bergen und Meer. Und was ist dort Thema? Der Wald natürlich. Wir sind betroffen von den häufig militärischen Vorgeschichten dieser deutschen Sonderzonen, entsetzt über das massive Fichtensterben vor allem im Harz und erfreut über Buchenwälder in Hessen und Thüringen. Immer wieder werben Deutsche Nationalparks mit dem Begriff „Urwald“, wo Bäume gerade einmal 20 oder 30 Jahre aus der forstlichen Nutzung genommen worden waren und auch entsprechend wenig „wild“ wirken. Die Oberstimmer Schacht hat eine dreimal längere Unberührtheit hinter sich! Auch was die bei uns leider gefällten Eichen angeht (der stärkste Durchmesser betrug mit 91 Jahren stolze 105 cm), zeigt der Vergleich, was normalerweise bei diesem Edelgehölz an Wuchs zustandekommt: Im Foto eine über hundertjährige Eiche mit einem Durchmesser unter halben Meter. Der Blick nach außen läßt also unser heimatliches Naturschutzgebiet in allen Dimensionen in einem noch besseren Licht erscheinen.

Stellungnahme der Interessensgruppe erscheint

Ab 22.4. liegen die schriftlichen Auskünfte der Unteren Naturschutzbehörde vor. Nun macht sich die Gruppe an die Arbeit, alle dort vorgebrachten Angaben und Argumente sorgfältig zu würdigen. Ich selbst kontaktiere sämtliche am ManagementPlan 2018 beteiligten Stellen und Personen, recherchiere viel nach und lege schließlich der Gruppe einen Text vor, der dann in mehreren Korrekturschleifen bearbeitet und zum 27.05. schließlich fertig wird. Die Vollversion mit 10 Seiten Umfang bekommt der neu gewählte Landrat Gürtner und die UNB geschickt, die Presse erhält eine Kurzversion, die am 9.6. veröffentlicht wird. Sieben Unterzeichner stehen stellenvertretend mit ihrem Foto für die Gruppe und unser gemeinsames Dokument ein.

Schutzgemeinschaft Deutscher Wald eingebunden – Feldulmen entdeckt

Mitte Mai informieren wir die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald über die Vorgänge in der Schacht. Schon wenige Tage später erscheint Besuch aus der Geschäftsführung in Begleitung eines Artenschutzspezialisten. Die beiden gelernten Förster bemerken auf der Kahlschlagfläche in einem gerade einmal kniehohen Bewuchs zweifelsfrei Sämlinge von Ulmen. Aufgrund ihres zarten Alters und da eine Erkundung des Umfeldes im strömenden Regen nicht möglich war, bleibt die genauere Bestimmung der Ulmenart mir überlassen. Es ist mir eine Ehre, ausgerechnet die gefährdete Feldulme identifizieren und die seltene Art über Fotos nachweisen zu dürfen: Erkennungszeichen beim Jungbaum sind Korkleisten (s.o). Feldulmen stehen auf der Roten Liste. Aufmerksam geworden auf den seltenen Baum, lassen sich nach weiteren Untersuchungen vor Ort mehrere Standorte und abgesägte Elternbäume im Naturschutzgebiet nachweisen.

Fridays-for-future steigt ein

Schon seit der 2. Pfaffenhofener Klimaschutz-Demo am 29.11.2019, bei der ich „als Baum“ spreche, besteht die Kooperation mit der örtlichen Fridays-for-future-Gruppe. Am 06.05.2020 besuchen vier VertreterInnen die Oberstimmer Schacht und stellen sich anschließend corona-gerecht zum Gruppenfoto auf. Botschaft: Auch sie wollen die Bäume im Naturschutzgebiet erhalten, es erscheint eine eigene FFF- Pressemitteilung hierzu (siehe Presseseite). Simon Möhle, Student der Forstwissenschaft und Manuel Hummler, Leiter des Jugendparlamentes Pfaffenhofen und beide aktiv in der Fridays-for-future-Bewegung, tragen sich in die Interessensliste ein. Damit wächst die Gruppe auf 25 Personen an und wir haben nun auch die Jugend an Bord. Der Klimaschutz wird ab jetzt noch höher gewichtet.

Presseinfo zur Petition eingereicht

Petition übergeben – erste Reaktion

Am 26. März übergab ich die Petition mit ihren 650 Unterstützerunterschriften „Stoppt Kahlschlag in der Oberstimmer Schacht“ – in Corona-Zeiten anstelle eines Pressetermins per Posteinwurf. Die Untere Naturschutzbehörde hatte sich mit Verweis auf den Wahlkampf acht Wochen lang jeglicher Stellungnahme enthalten. Landrat Wolf zeigte guten Willen und reagierte schnell, nur leider über die Köpfe der Betroffenen hinweg: Er setzte einen Termin in die Zeitung für einen Runden Tisch am 21.04. in Vohburg, ohne vorher die Manchinger Interessensgruppe einzubinden. Sie sind weder mit dem Ort noch mit den Risiken einer öffentlichen Veranstaltung einverstanden und warten jetzt auf die zugesagte schriftliche Aufklärung. Ich hatte im Vorfeld die Meinung der Gruppe erkundet und den Fragenkatalog fürs Landratsamt zusammengestellt.

Die reinste Völkerwanderung, trotz eines verregneten Vormittags

Ortsbegehung mit 60 TeilnehmerInnen

Rund 60 BürgerInnen, überwiegend aus Manching, lassen sich am 29.02.2020 die Brennpunkte des gerodeten Naturschutzgebietes zeigen und kommen endlich auch einmal selber zu Worte. Gesprochen haben außerdem mehrere Experten wie z.B. ein Biologe, der das Gebiet seit den 70er Jahre beforscht.

Als Baumschützerin halte ich die Politik  – mein Mandat für den Kreistag – während des fast zweistündigen Termins komplett draußen. Andere tun das nicht: Altlandrat Rudi Engelhard hatte seine Teilnahme an der öffentlichen Begehung abgesagt und war lieber am gleichen Tag mit ausgewählten Parteikollegen vor Ort, was er sogar auf der CSU- Website veröffentlichte. Bürgernähe?

Ich habe den Eindruck, man weiß meine Neutralität zu schätzen und über den ausgewichenen Gast denken sich die Menschen ihren Teil. Auf der Interessensliste „Zukunft Oberstimmer Schacht“ tragen sich viele NaturschützerInnen ein, um auch weiterhin informiert und eingebunden zu werden. Es entsteht eine Gruppe.

Petition

Petition „Stoppt den Kahlschlag in der Oberstimmer Schacht!“

In Manching, südlich von Ingolstadt wurden mitten im Naturschutzgebiet über 500 große Laubbäume gefällt und Hunderte sollen folgen. Das alles für ein Moor, was wegen abgesunkenem Grundwasserspiegel kaum realisierbar ist. Mit der Petition möchte ich vor jeder weiteren Fällung die Untersuchung des Grundwasserpegels erreichen, eine aktualisierte Information für die Naturschutzverbände und vor allem die Einbindung der BürgerInnen, vor allem der Anlieger.

Einen ersten Erfolg hat die Petition schon erbracht: Die noch für Februar geplanten Fällungen wurden auf den Herbst verschoben. Ansonsten will man aber am alten Plan festhalten. Es ist nicht auszuschließen, dass es hier um ein neues Gewerbegebiet geht. Gegen dieses ganze Vorgehen wehre ich mich und freue mich über jeden, der die Petition an das Landratsamt Pfaffenhofen unterschreibt und weiter teilt.

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