Schwarzpappel-Holzkeil ins Landratsamt gebracht

Nachdem vom Landratsamt über drei Monate hinweg niemand den liegenden Baum näher untersuchte, holte ich dies nach. Schließlich hatte man nach der Fällung die „kranke Stelle“ als Foto-Beweis in die Zeitung gebracht. Nun galt es, am liegenden Baum diese Stelle zu finden und zu öffnen. Befund: Anstelle einer Fäulnis oder Teile eines Risses handelte es sich lediglich um eine kleine Höhlung, die durch einen eingewachsenen Ast entstanden war. Festes Holz außenherum, alles gesund und weit entfernt von statischen Risiken. Vier fachliche Stellungnahmen von Baumprofis und einem Biologen wurden im Rahmen einer Foto-Dokumentation schriftlich beim Landrat vorgelegt, um zu zeigen, dass die Schwarzpappel gesund und ihre Fällung ein Fehler war – um eine Vorbeugung solcher Fehlentscheidungen für die Zukunft zu erreichen. Ihre ehrenamtliche Expertise hatten dankenswerterweise eingebracht: Angela Burkhardt-Keller (München), Edgar Wenisch (Konnersreuth), Christopher Busch (Buttenheim) und Dieter Jungwirth (Ingolstadt). Rudi Engelhards Versuch, dem DB Streckenbetreuer die Aussage von „akutem Handlungsbedarf“ unterzuschieben, flog durch meine offene Nachfrage auf – der Mann dementierte. Trotz allem sah Landrat Albert Gürtner bislang keinen Anlass zur Kurskorrektur.

Gesunder Rote-Liste-Baumriese gefällt

Mit einem Umfang über fünf Meter und einer Höhe von über 30 Metern war die mächtige Schwarzpappel optisch ein Fels in der Brandung – viele tierische Bewohner der Oberstimmer Schacht, die auf diesen Baumes angewiesen waren, hätten ihn ähnlich beschrieben. Fällungsgrund war wie so oft die gefährdete Verkehrssicherheit am Gleis. Tatsächlich passte der Abstand zwischen Baumkrone und Oberleitung nicht mehr, worauf ich selber mehrfach hingewiesen hatte – um eine Untersuchung auf Sturz- und Bruchsicherheit und einen angemessenen Kronenrückschnitt zu erreichen. Stattdessen wurde der seit 29.09.20 als seltene Schwarzpappel bewiesene Baum (Rote Liste Klasse 2, „stark gefährdet“) nur oberflächlich untersucht, vom verantwortlichen Rudi Engelhard als problematisch abgetan und allen vorangegangenen Erhaltungsappellen zum Trotz gefällt. Die zugehörige ausführlichere Presseinfo finden Sie auf der Presseseite. Anlieger Johann Schwemmer hatte die Fällung gemeldet.

Schacht-Ost: Auf der Suche nach Gefahrenbäumen

Nach den ernüchternden Erfahrungen mit dem Kahlschlag auf der westlichen Seite des Gleises, wo mitten im Naturschutzgebiet auf einem bis zu 23m breiten Streifen der Wald komplett gerodet wurde, obwohl die Bahn nur einen Bruchteil davon als Sicherheitsabstand fordert, fand am 12.11.2020 auf der Ostseite eine Begehung von Anliegern statt, die ich begleitete. Wir fanden an der Strecke bereits markierte und fachlich nachvollziehbare Fällungskandidaten vor aus der Zeit vor 2018, als der Grund noch im Besitz der Deutschen Bahn war. Außerdem fiel mir eine – überschaubare – Zahl von Bäumen auf, die aktuell kontrolliert und gegebenenfalls im Rahmen der Verkehrssicherheitspflicht schonend entfernt werden müßten.

Erfolg: Großflächige Fällung verhindert!

Neun Monate ehrenamtlicher Arbeit haben sich gelohnt: Die Oberstimmer Schacht wird kein zweites Mal von Kahlschlag heimgesucht, es wird keine bis zu 20m breiten baumlosen Korridore zwischen den Offenlandflächen geben. Sie hätten Hunderten von Bäumen aller Arten und Altersklassen das Leben gekostet. Am Gleis entlang und für Zugang an den Tümpeln werden noch einzelne Bäume gefällt, aber wenigstens mit der Motorsäge und nicht mehr per Harvester. Diese Details teilte Landrat Albert Gürtner (FW) am 20.10.2020 telefonisch mit und konkretisierte damit seine Schlussworte bei der Dialogveranstaltung Ende September. Er setzte seine Entscheidung gegen den Willen von Höherer und Unterer Naturschutzbehörde durch. Zum Beschluss wird es seitens Landratsamt keine Presseinformation geben, Gürtner verweist auf die Berichterstattung zur Veranstaltung.

Dialogveranstaltung zur Oberstimmer Schacht

Obwohl die Organisatoren einen dialogischen Rahmen schufen, einen externen Moderator buchten und wegen Corona-Auflagen große Mühen für eine Großveranstaltung in der Mehrzweckhalle Manching auf sich genommen hatten, geriet der Abend mehr zu einem Neben- statt Miteinander. Im Anschluss an eine ausgiebige Präsentation der Höheren Naturschutzbehörde mit Planungsstand 2018 (die UNB schwieg konsequent den ganzen Abend), folgten vier 3-Minuten-Statements aller Lager und danach kam das Publikum zu Worte. Nur im Ausnahmefall war eine Bezugnahme auf Wortmeldungen möglich. Weder reagierte man aufseiten der Behörden auf unsere extra im Vorfeld nochmal zugestellte Stellungnahme mit den zentralen Argumenten der Interessensgruppe, noch auf die am Abend vorgetragenen Neuigkeiten (u.a. per Gen-Analyse bestätigte Schwarzpappel-Vorkommen), noch gab es Raum für die 34 Vorschläge der Online-Konsensierung (https://www.acceptify.at/schacht, online bis Ende Februar 2021). Einzig Landrat Albert Gürtner interessierte sich dafür und schloss in seinem Schlusswort großflächige Fällungen für die Zukunft aus.   

Gentest zeigt: Baumriese ist eine seltene Schwarzpappel

Sie überlebte die flächige Rodung vom Januar 2020 nur aufgrund ihrer gigantischen Ausmaße, die weder vom Harvester noch von einer Motorsäge ohne weiteres zu beseitigen waren: Eine Pappel in der Oberstimmer Schacht West, die 10m neben dem Gleis steht. Von den Offenlandbefürwortern als wertlose Hybridpappel verspottet, sah sich die Interessensgruppe Zukunft Oberstimmer Schacht dazu veranlasst, den besonderen Baumriesen genetisch testen zu lassen, auf eigene Kosten versteht sich. Das Foto zeigt uns bei der vorsichtigen Entnahme der Zweige. Und siehe da: Gerade noch rechtzeitig zur Dialogveranstaltung kam die Bestätigung vom Labor, dass es sich tatsächlich um eine seltene Schwarzpappel handelt. Die Art steht auf der Roten-Liste Bayern als Stufe 2 „stark gefährdet“. Wir freuen uns über unsere frisch entdeckte Kostbarkeit!

Online-Konsensierung gestartet: Wald und Wiese unter einen Hut bringen

Als sich nach der Sommerpause herausstellt, dass die Interessensgruppe mit ihren Argumenten immer noch kein Gehör zur Oberstimmer Schacht fand, richte ich kurzfristig eine Online-Konsensierung ein, damit alle Lager zusammen zur Veranstaltung am 29.09. sogar konkrete Vorschläge vorliegen haben, um Wald und Wiese unter einen Hut zu bringen. Mit mir zusammen moderiert über 10 Tage hinweg BN-Kreisvorsitzende Christine Janicher-Buska. Durch eine verzögerte Veröffentlichung und dann auch noch einen Druckfehler in der Zeitung beteiligen sich nur jene Aktiven, die vorher schon dabei waren, immerhin aber auch einige Offenlandbefürworter. Insgesamt werden 34 konkrete Vorschläge erstellt und bewertet. Die Konsensierung ist noch bis Ende Februar 2021 online zu sehen unter diesem Link: https://www.acceptify.at/schacht

Frisch geprüft auf Reisen in Deutsche Nationalparks

Nach erfolgreichem Abschluss meiner – als Quereinsteigerin mehrjährigen – Ausbildung darf ich mich ab 26.06.2020 „Baumkontrolleurin mit FLL-Zertifikat“ nennen. Gleich nach der Prüfung geht´s in den Urlaub und zwar bereisen mein Mann und ich acht Deutsche Nationalparks zwischen Bergen und Meer. Und was ist dort Thema? Der Wald natürlich. Wir sind betroffen von den häufig militärischen Vorgeschichten dieser deutschen Sonderzonen, entsetzt über das massive Fichtensterben vor allem im Harz und erfreut über Buchenwälder in Hessen und Thüringen. Immer wieder werben Deutsche Nationalparks mit dem Begriff „Urwald“, wo Bäume gerade einmal 20 oder 30 Jahre aus der forstlichen Nutzung genommen worden waren und auch entsprechend wenig „wild“ wirken. Die Oberstimmer Schacht hat eine dreimal längere Unberührtheit hinter sich! Auch was die bei uns leider gefällten Eichen angeht (der stärkste Durchmesser betrug mit 91 Jahren stolze 105 cm), zeigt der Vergleich, was normalerweise bei diesem Edelgehölz an Wuchs zustandekommt: Im Foto eine über hundertjährige Eiche mit einem Durchmesser unter halben Meter. Der Blick nach außen läßt also unser heimatliches Naturschutzgebiet in allen Dimensionen in einem noch besseren Licht erscheinen.

Stellungnahme der Interessensgruppe erscheint

Ab 22.4. liegen die schriftlichen Auskünfte der Unteren Naturschutzbehörde vor. Nun macht sich die Gruppe an die Arbeit, alle dort vorgebrachten Angaben und Argumente sorgfältig zu würdigen. Ich selbst kontaktiere sämtliche am ManagementPlan 2018 beteiligten Stellen und Personen, recherchiere viel nach und lege schließlich der Gruppe einen Text vor, der dann in mehreren Korrekturschleifen bearbeitet und zum 27.05. schließlich fertig wird. Die Vollversion mit 10 Seiten Umfang bekommt der neu gewählte Landrat Gürtner und die UNB geschickt, die Presse erhält eine Kurzversion, die am 9.6. veröffentlicht wird. Sieben Unterzeichner stehen stellenvertretend mit ihrem Foto für die Gruppe und unser gemeinsames Dokument ein.

Schutzgemeinschaft Deutscher Wald eingebunden – Feldulmen entdeckt

Mitte Mai informieren wir die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald über die Vorgänge in der Schacht. Schon wenige Tage später erscheint Besuch aus der Geschäftsführung in Begleitung eines Artenschutzspezialisten. Die beiden gelernten Förster bemerken auf der Kahlschlagfläche in einem gerade einmal kniehohen Bewuchs zweifelsfrei Sämlinge von Ulmen. Aufgrund ihres zarten Alters und da eine Erkundung des Umfeldes im strömenden Regen nicht möglich war, bleibt die genauere Bestimmung der Ulmenart mir überlassen. Es ist mir eine Ehre, ausgerechnet die gefährdete Feldulme identifizieren und die seltene Art über Fotos nachweisen zu dürfen: Erkennungszeichen beim Jungbaum sind Korkleisten (s.o). Feldulmen stehen auf der Roten Liste. Aufmerksam geworden auf den seltenen Baum, lassen sich nach weiteren Untersuchungen vor Ort mehrere Standorte und abgesägte Elternbäume im Naturschutzgebiet nachweisen.